Die Ausstellung Homo Faber zeigt Handwerk in Venedig bis 30. September.

Was soll das sein? Eine Muschel? Ein 3D-Modell des menschlichen Gehörorgans? Die Keramiken der belgischen Künstlerin Anne Marie Laureys wecken eine Kette von Assoziationen – und mit ihnen die Neugier, diese geheimnisvollen Blasen und Kurven genauer zu untersuchen. «Meine Skulpturen sind Metaphern für Empfindungen», erklärt Laureys, die ihre Tonobjekte jeweils auseinanderzieht und wieder zusammenpresst, ehe sie trocknen. Jedes Stück ist anders, aber jedes trägt unverkennbar ihre Handschrift und erzählt von ihrer Inspiration. Deshalb passen diese Werke wunderbar in die neue Ausstellung namens Homo Faber, die soeben im Herzen Venedigs eröffnet hat. Eine grosse Premiere, im wahrsten Sinne des Wortes: In den altehrwürdigen Gemäuern der Fondazione Cini gleich vis-a-vis des Dogenpalasts wird auf fast 4000 Quadratmetern das menschliche Schaffen von Hand zelebriert. Die angesehensten Kunsthandwerker Europas haben sich an diesem historischen Ort versammelt, zum Beispiel Eric Charles-Donatien, einer der letzten Pariser Federschmuckmacher, oder der griechische Sattler Konstantinos Vogiatzakis. Das Ziel der Veranstalter, der in Genf ansässigen Michelangelo Foundation (deren treibende Kraft zwei Köpfe der Luxusgruppe Richemont sind, Franco Cologni und Johann Rupert)? Die Schönheit vollkommen unvollkommener Einzelstücke wiederzuentdecken. Ob Teppich, Stickerei, mundgeblasenes Glas: Das alles sind Wunderwerke, die keine Maschine je so hinbekommt.

 

Homo Faber, Fondazione Cini, auf der Insel San Giorgio Maggiore in Venedig, noch bis zum 30. September. Freier Eintritt nach Registrierung auf www.homofaberevent.com

 

Renata Libal