ENTSCHLÜSSELT – Die Schweizer Luxuskosmetik-Marke
La Prairie spannt mit der Fondation Beyeler zusammen, um
die Werke eines Malerpioniers für die Nachwelt zu erhalten.

Als die Fondation Beyeler anrief, habe er keine Sekunde überlegen müssen, ob er zusage, erinnert sich Greg Prodromides, Chief Marketing Officer von La Prairie, lachend. «Das Projekt passt so gut zu uns, es ist fast unheimlich.» Das Projekt: Es ist eine doppelte Premiere. Nie zuvor hat die Fondation Beyeler, das meistbesuchte Museum der Schweiz, ein solch ambitioniertes Konservierungsprojekt unternommen wie jetzt mit ihren Gemälden von Piet Mondrian. Und erstmals unterstützt La Prairie, das exklusivste Kosmetikunternehmen der Schweiz, im Rahmen seiner Kulturförderung Konservierungsarbeiten.

Bei La Prairie werden bei der Entwicklung eines neuen Produkts schon mal mehrere zehntausend Inhaltsstoffe geprüft, bis man das passende gefunden hat.

 

Was beide Partner mit Mondrian verbindet: die Bereitschaft, hartnäckig dranzubleiben. Um etwas zu erschaffen, das es so noch nicht gab. Mondrian verfolgte ein Leben lang seine Vision einer neuen Kunst; der Weg führte ihn vom Impressionismus über den Kubismus schliesslich zum von ihm definierten Neoplastizismus, bei dem ein Bild auf die Grundelemente der Malerei – Fläche, Linie und Grundfarben – heruntergebrochen wird. Maximale Reduktion, jahrzehntelange Suche. Bei La Prairie werden bei der Entwicklung eines neuen Produkts schon mal mehrere zehntausend Inhaltsstoffe geprüft, bis man das passende gefunden hat. Und jeder Kunstrestaurator weiss, dass es Monate dauern kann (Analyse von Pigmenten, Bindemitteln, Bildträgern! Infrarot, Ultraviolett, Röntgen!), bis man ein Werk so weit verstanden hat, dass man erstmals daran Hand anlegen kann.

Hier wie da geht es darum, etwas zu hinterlassen, worauf jene, die nach einem kommen, aufbauen können. Dass dieses Etwas von einer harmonischen Leichtigkeit ist, sodass man ihm all das Herzblut, das hineinfloss, all die Gedankenarbeit und Mühsal und all die Irrwege, die es auch dazu brauchte, nicht mehr ansieht: Auch das verkörpert Mondrian wunderbar. Denn der «Heilige der Abstraktion», wie Pierre Matisse ihn mal seinem Vater Henri gegenüber beschrieb, entwickelte seine reduzierte Bildsprache – weisser Grund, schwarze Linien, Rechtecke in den Grundfarben Blau, Gelb, Rot –, um damit etwas Hochkomplexes anschaulich zu machen: sein theosophisches Weltbild, wonach hinter den Erscheinungen der uns umgebenden Welt eine weitere, ideale Wirklichkeitsebene liegt, die, formal in perfektem Gleichgewicht, nichts weniger als der Schlüssel zu einem guten Leben sei.

«Was uns mit Kunstschaffenden verbindet, ist leidenschaftlicher Wagemut – und letztlich die Suche nach zeitloser Schönheit.»
Patrick Rasquinet, CEO La Prairie

 

Verkopft? Nicht doch. Mondrian trimmte auch seinen Schnurrbart asymmetrisch, um sein Gesicht stimmig erscheinen zu lassen, so sehr glaubte er an die Kraft der millimetergenauen Komposition. Vielleicht braucht es ein Quäntchen Verrücktheit, um Aussergewöhnliches zu erschaffen. Ganz sicher aber, weiss La-Prairie-CEO Patrick Rasquinet, braucht es Lust am Pioniertum: «Was uns mit Kunstschaffenden verbindet, ist leidenschaftlicher Wagemut – und letztlich die Suche nach zeitloser Schönheit.»

Seit seiner Gründung 1978 sucht das Luxuskosmetik-Unternehmen immer wieder die Nähe zur Kunst. Die geometrischen Formen und sparsamen Farbakzente, die das Design der Verpackungen von La Prairie prägen, sind von den massgebenden Codes des Bauhaus inspiriert, seit 2017 ist man Partner der Art Basel und unter-stützt junge Schweizer Kunstschaffende wie den Venedig-Biennale-Teilnehmer Julian Charrière (dessen erste Einzelausstellung in der Schweiz noch bis 3.1.2021 im Aargauer Kunsthaus zu sehen ist). Greg Prodromides packt die Idee dahinter in einen einzigen Satz: «Kunst ist das Prisma, durch das wir auf die Welt schauen.»

Mondrian in der Fondation Beyeler

LA PRAIRIE X FONDATION BEYELER_3Blick ins Restaurationsatelier der Fondation Beyeler.

Sieben Gemälde – drei Früh-, vier Spätwerke – von Piet Mondrian gehören zur Sammlung der Fondation Beyeler. Im Vorfeld der grossen Mondrian-Ausstellung im Sommer 2022, wo sie neben zahlreichen Leihgaben zu sehen sein werden, sind sie nun Gegenstand eines dreijährigen Forschungs- und Konservierungsprojekts (2019-2021). Die Arbeit an den zwischen 1921 und 1938 entstandenen Spätwerken, die soeben angelaufen ist, wird von La Prairie unterstützt – und laufend online dokumentiert: www.laprairie.com/fr-ch/the-art-journal. Lieber live dabei? Ab sofort kann man den Konservatoren durch eine verglaste Wand im Restaurierungsatelier bei der Arbeit zuschauen.

Piet Mondrian

Eigentlich hiess er Pieter Mondriaan. Doch die Vereinfachung war nun mal das Lebenselixir des 1872 in den Niederlanden geborenen, 1944 in New York verstorbenen Malers: Unermüdlich suchte er nach einer grundlegend neuen Kunst, die nicht nur abbildet, sondern eine tiefere Wahrheit offenlegt. Als einer der ersten rigoros Abstrakten hat er u. a. das Bauhaus in Europa sowie die amerikanische Minimal Art angeregt – und natürlich Popkultur und Mode inspiriert: Yves Saint Laurents Mondrian-Kleider von 1965 erzielen heute fünfstellige Auktionspreise. Der Rekord für ein Mondrian-Gemälde liegt derzeit bei 50.6 Millionen Dollar (2015).