UHREN – Die Baselworld ist auf Januar 2021 verschoben, Watches & Wonders findet nicht in Genf, sondern online statt, und auch sonst steht dieser Frühling irgendwie… ausserhalb der Zeit. Aber ob die Stunden nun dahinrasen oder sich endlos in die Länge ziehen, eins fällt auf: Viele Marken setzen auf zeitlose Eleganz. Keine unnötigen Schnörkel; nichts, was sich aufdrängt. Kurz und gut (aber gern mit vielen Komplikationen): Die Uhr der Stunde ist von einer unaufgeregten Ästhetik, die selbst grössere Turbulenzen gelassen überdauert. Hier 10 Prestigemodelle, die den Trend raffiniert auf den Punkt bringen.

Von Renata Libal

1. Eine wie ein guter Tropfen

jaeger

Kaum zu glauben, wenn man sie heute so sieht, aber: Die Reverso von Jaeger-LeCoultre kam ursprünglich – nämlich 1931 – als Sportuhr für Polospieler auf den Markt. Auf ihrem Weg zu einem Klassiker des 20. Jahrhunderts erfuhr ihr charakteristisch rechteckiges, umkehrbares Gehäuse (daher ihr Name) immer mal wieder ein leichtes Facelifting, wobei das schmalste Modell, One, dem Art déco – jener Ära, der die Reverso entstammt – zweifellos am stärksten Reverenz erweist. Die Version von 2020 taucht die Ikone in ein intensives Weinrot, das, zusammen mit den leicht hervortretenden Ziffern und den beiden Diamantreihen, auf dezente Weise hypnotisch-verführerisch wirkt. Foto: Jaeger-LeCoultre, Reverso One lie-de-vin, 40 x 20 mm, Stahl, 27 Diamanten, Armband aus Alligatorleder.

 

2. Eine, die mit der Haute Couture flirtet

vacheron

Die neueste Kollektion des Genfer Uhrenherstellers Vacheron Constantin ist von einer verspielten Leichtigkeit, die an Tüll, Spitze, Bordüren denken lässt, mit Ziffern, die wie gestickt aussehen, und Armbändern, die man nach Lust und Laune auswechseln kann… Die 7 exquisiten Modelle verdanken sich einem Tänzchen der Haute Horlogerie mit der Haute Couture. Neckisches Charakteristikum: Ihre asymmetrisch aufgepeppte Eleganz, dank der die Datumsanzeige (oder die Mondphasenanzeige) auf halb zwei steht. Foto: Vacheron Constantin, Égérie, 35 mm, Automatikuhrwerk, Roségold und Diamanten.

 

3. Eine, die auf Schwarz pur setzt… aber wie!

hublot

Zur Eröffnung seiner Filiale in Tokio, im superhippen Stadtteil Ginza, hat die Marke Hublot sein Kultmodell Big Bang GMT einem der berühmtesten japanischen Modemacher, Yohji Yamamoto, anvertraut. Die auf 50 Stück limitierte Sonderedition ist von hoher technischer Komplexität, wobei die vielen Funktionen vom monochromen Erscheinungsbild (schwarz auf schwarz, eine Spezialität Yamamotos) clever aufgefangen werden. Nur, wer die Uhr genau studiert, kann alle Details erfassen, was einzig einem kleinen Kreis von Eingeweihten vergönnt ist. Oder soll man diese Uhr mit einem perfekt massgeschneiderten Anzug vergleichen? Erst, wenn man ihn trägt, spürt man, dass alles genau so sitzt, wie es muss… Hublot weiss, wie raffinierte – weil nur vermeintliche – Schlichtheit geht: Das erste Modell dieser Art war die All Black aus dem Jahr 2006. Yamamoto nun dreht die Schraube noch eine Umdrehung weiter. Blöd nur, dass es derzeit grade schwierig wird mit dem Flug nach Tokio, um sich eins der Modelle zu sichern… Foto: Hublot, Big Bang All Black Yohji Yamamoto, GMT mit zwei Zeitzonen, 45 mm, schwarze Keramik, Armband aus Kautschuk.

 

4. Eine, die sich nicht schubladisieren lässt

breitling

Eine klassische Abenduhr ist sie nicht. Aber eine Sportuhr eben auch nicht. Und ultra-modisch ist sie ebenso wenig wie ein Vintagemodell… Tja, die jüngste Spielart der berühmten Navitimer lässt sich eben in keine Schublade stecken – und genau drum passt sie immer und überall. Dieses Automatikmodell hat wenig mit der Adrenalinästhetik am Hut, welche Breitling lang zelebrierte. Stattdessen haben wir hier eine Damenuhr voller Charme vor uns, kompakt (35 mm), aber robust. Inspiriert von einem Unisexmodell aus dem Jahr 1952, ist sie ebenso bequem abzulesen wie voller neckischer Details: Die Lünette schimmert perlmutten, der Rechenschieber kommt etwas retro daher, der Sekundenzeiger ist knallrot… Das schöne Stück ist in vier Ausführungen zu haben (Stahl / Stahl mit Perlmutt und Diamanten / Stahl und Rotgold / Rotgold mit Diamanten); eine starke Persönlichkeit hat jede davon. Foto: Breitling, Navitimer Automatic 35, Stahl, Armband aus Alligatorleder.

 

5. Eine, die Lust auf einen Twist macht

cartier

«Laissez-nous twister-eh!» schrien Anfang der 60er die Chats Sauvages, das französische Pendant zu den Beatles, in ihre Mikros – und lieferten damit den ersten Beweis, dass Twist auch en français funktioniert. Den zweiten erbringt nun die neue Damenuhr von Cartier: Ihr elegant verdrehtes Gliederarmband aus massivem Gold scheint das Zifferblatt gleich mitzuvertwisten. «Wir hatten Lust, dem klassischen Gliederarmband etwas Volumen zu verpassen», schreibt Marie-Laure Cérède, für die Uhren verantwortliche Kreativchefin der Marke, «und haben es ausserdem mit Bewegung und Spannung geimpft.» Damit beweist das Pariser Traditionsunternehmen mal wieder Sinn für Pfiffigkeit. Schliesslich hat es auch schon Panther und Krokodile auf die berühmtesten Décolletés dieser Welt gezaubert. Und nun demonstriert es, wie man einen artigen Armbandklassiker mit einem Dreh (im wahrsten Sinne des Wortes!) aus der Reserve locken kann. C’est cool, ça! Foto: Cartier, Maillon, Quarzuhrwerk, 16 x 17 mm, Weissgold.

 

6. Eine, die man einfach ins Herz schliessen muss

piaget_1

Die Kollektion Possession ist einer der Grundpfeiler des Schmuckherstellers Piaget, und zwar schon seit dreissig Jahren. Ihre Idee beruht auf der Integration von drehbaren Elementen, die man mit den Fingerkuppen bewegen kann – eine Streicheleinheit, die aus dem Schmuckstück einen intimen Vertrauten macht. Neben Ringen, Armbändern und Anhängern, die auf dieses Design setzen, umfasst die Kollektion auch Uhren, deren Lünetten um Gehäuse aus verschiedenen bunten Edelsteinen und Diamanten rotieren – schliesslich handelt es sich hier um den Wurf eines Juweliers, und Herkunft verpflichtet. Das diesjährige Modell hat zudem etwas zu bieten, was man in der Uhrenwelt selten antrifft: ein hauchzartes Babyrosa. Schlicht unmöglich, sie nicht ins Herz zu schliessen. Foto: Piaget, Possession, 29 oder 34 mm, Quarzuhrwerk, Weissgold, rosa Perlmutt und Diamanten, Armband auswechselbar.

 

7. Eine, die in Schieflage Glück bringt

jaquet droz

Wenn es eine Marke gibt, die für schnörkelloses Design steht, dann diese. Ganz besonders gilt das für die Kollektion Grande Seconde, bei der man Stunden und Minuten von einem kleinen Zifferblatt abliest, während die Sekunden, der Name sagt es schon, in einem zweiten, grösseren verstreichen. Das unverkennbare Design hat Markengründer Pierre Jaquet-Droz höchstselbst erdacht, vor rund 300 Jahren. Allerdings waren die beiden Kreise ursprünglich zentriert, der kleine stand auf zwölf Uhr, der grosse auf sechs. Doch man muss zugeben, dass diese unkonventionelle Idee durch die Schieflage sogar noch gewonnen hat. Was meist nur Kenner wissen: Das Zifferblatt besteht aus schwarzer Jade. Die extrem harte, zu den Amphiboliten zählende Gesteinsart wird von Hand poliert, bis sie nicht mehr als einen Millimeter misst, wobei jedes Modell ihre ganz eigenen, winzig kleinen Einschlüsse birgt, wie ein individueller Sternenhimmel. Jade soll, so glaubt man in Asien, Glück bringen. Diese Uhr tut das ganz sicher. Foto: Jaquet Droz, Grande Seconde Décentrée Black Jade, 43 mm, Automatikuhrwerk, 68 Stunden Gangreserve, auf 88 Stück limitierte Sonderedition.

 

8. Eine, die im besten Sinne behämmert ist

hermes

Seit sie 1991 das Licht der Welt erblickt hat, ist die Cape Cod zu einem stattlichen Klassiker von Hermès herangewachsen. Ursprünglich hätte das Gehäuse dieses Baby quadratisch sein sollen, doch sein Erschaffer Henri d’Origny entschied sich dann doch für ein Quadrat in einem Rechteck, das wiederum von zwei Ösen abgerundet wird, wie man sie von Schiffsrümpfen her kennt (einer der Inspirationswelten von Hermès). Das ein oder andere Redesign hat die Cape Cod in der Zwischenzeit auch erfahren, wobei das neueste zweifellos zu den gelungensten zählt. Klar, die kunstvoll gehämmerte Oberfläche gibt der Uhr etwas Rohes, aber das kontrastiert sehr schön mit dem verspielten, doppelt um Handgelenk geschlungenen Armband. Und wenn sich dann noch das Licht in dem anthrazit lackierten Zifferblatt bricht, fällt es echt schwer, den Blick von ihr zu nehmen… Foto: Hermès, Cape Cod, 23 x 23 mm, Stahl, Armband aus schwarzem Kalbsleder, einfach oder doppelt gewickelt.

 

9. Eine für preisbewusste Mondbeobachter

Maurice

Mit seiner Kollektion Masterpiece beweist Maurice Lacroix, dass hochwertige Uhrmacherkunst kein Vermögen kosten muss (dieses Mondphasenmodell z.B. kostet 4900 Fr.). Die jurassische Firma zielt damit auf eine junge Käuferschaft – der neu auch dieses nachtblaue Modell zur Auswahl steht, das mit einem klassisch-eleganten, aber auch raffinierten Design punktet. Das Datum wird oben links angezeigt, der Wochentag oben rechts, die Mondphase unten, auf sechs Uhr. Zwanzig Jahre nach seinem ersten Rétrograde-Modell setzt Maurice Lacroix damit wieder auf einen sicheren Wert der zeitgenössischen Uhrmacherkunst. Und zu jeder gekauften Uhr gibts eine hübsche Weekend-Tasche aus khakifarbenem Leinen dazu. Da sagt kein Hipster nein! Foto: Maurice Lacroix, Masterpiece Moonphase rétrograde, 43 mm, Stahl, Lederarmband.

 

10. Eine, die schön ausgewogen ist

baume_mercier

Bei Baume et Mercier pflegt man seine Schweizer Wurzeln: Die Uhren sind «geboren in Bois, entworfen in Brenets, entwickelt in Genf». Was impliziert, dass man hier die Werte der Uhrmacherkunst hochhält, indem sich nämlich Innovation und Tradition die Waage halten (und dass auch die Proportionen schön ausgewogen sind, versteht sich von selbst). So setzt der neueste Zuwachs der Kollektion Clifton auf die romantischste aller Komplikationen: die Mondphasenanzeige. So wie den Wochentag und das Datum, liest man also mit einem Blick auf das in Roségold gefasste Zifferblatt auch ab, ob bald wieder ein Vollmond am Himmel zu bestaunen ist. Und wenn nicht, bestaunt man eben das in verlaufendem Grau gehaltene Zifferblatt. Foto: Baume Mercier, Clifton Baumatic Moon Phase, 42 mm, 5 Tage Gangreserve, Roségold, Armband aus Alligatorleder.